Nationalpark Bayerischer Wald – 50 Jahre

Im Nationalpark Bayerischer Wald kann man einzigartig in Europa hautnah die Entstehung eines wilden Waldes miterleben. Seit Mitte der neunziger Jahre brachten Borkenkäfer weite Teile des Fichtenwaldes in den Hochlagen des Nationalparks zum Absterben. Je nach Sichtweise kann man dies als Katastrophe oder aber als Chance für den Wald wahrnehmen. Im Jahr 2020 wird der erste Nationalpark Deutschlands 50 Jahre alt. Das Motto „Natur Natur sein lassen“ prägt das Handeln des Menschen im Nationalpark. Wir zeigen euch, wo im Nationalpark es am schönsten ist und was es sonst noch so zu sehen gibt.

Eines meiner Lieblingszitate über den Wald stammt von einem berühmten Schriftsteller. „In den Wäldern sind Dinge, über die nachzudenken man jahrelang im Moos liegen könnte“. Dieses Zitat von Franz Kafka trifft es sehr gut. Wer sich mit allen Sinnen auf diesen Lebensraum einlässt, kann ihn in seiner ganzen Vielfalt und Faszination von Farben und Formen und Gerüchen erleben. Und genau dazu gibt es in Deutschlands erstem Nationalpark Bayerischer Wald reichlich Gelegenheit.

Wunderbar anzusehen sind die tausenden Fichten, die im gesamten Nationalpark Bayerischer Wald neu wachsen
Wunderbar anzusehen sind die tausenden Fichten, die im gesamten Nationalpark neu wachsen

Natur Natur sein lassen im Nationalpark Bayerischer Wald

Der Wald ist nicht nur eine Summe von Bäumen oder ein Mittel zur Holzproduktion. Er ist ein faszinierendes Ökosystem mit einer Vielzahl von Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen. Im Nationalpark sollen sich alle Lebewesen frei entwickeln können. In der Natur ist das Wirken verschiedener Kräfte ein natürlicher Vorgang und so begann, ausgelöst durch den Borkenkäfer ein eindrucksvoller Walderneuerungsprozess.

Totholz bedeutet Leben! Das eigentliche Leben beginnt, wenn ein Baum stirbt. Das klingt zwar paradox, erweist sich aber im Ökosystem Wald als wahr. Zahllose Insekten, Pilze und Flechten hängen in ihrem Lebenszyklus ganz oder teilweise von abgesorbenem Holz ab. Totholz ist eines der ökologisch wichtigsten Strukturelemente unserer Wälder.

Wo es am schönsten ist

Für uns sind die Schachten und Filze des Nationalparks Bayerischer Wald die schönsten Ecken. Schachten sind ehemalige Viehweiden, die „Almen“ des Bayerischen Waldes. Die Region der Schachten ist nur nach einem langen und beschwerlichen Aufstieg zu erreichen. Deshalb trifft man dort oben viel weniger Wanderer, was den Reiz der zauberhaften Landschaft nur noch erhöht. Die schönsten Stunden im Nationalpark Bayerischer Wald haben wir dort verbracht. Zum Beispiel auf dem Lindbergschachten, dem Albrechtschachten oder dem Verlorenen Schachten.

Ausgangsort für unseren Besuch im Nationalpark Bayerischer Wald ist der Ort Neuschönau
Ausgangsort für unseren Besuch im Nationalpark Bayerischer Wald ist der Ort Neuschönau

Vom Lusen zum Tummelplatz

Einen der vielen besonders schönen und wilden Waldabschnitte des Nationalparkes Bayerischer Wald kann man zwischen dem Lusen und dem Tummelplatz sehen. Dort wird schon heute besonders deutlich, wie prächtig sich der Wald in den kommenden Jahrzehnten im Nationalpark entwickeln wird. Dabei wird sich die Waldstruktur immer wieder verändern, denn mit der zunehmenden Größe der Fichten verändert sich die Lichtsituation für andere Bäume und Pflanzen. Wachsen und vergehen, ein natürlicher Kreislauf in der Natur.

Wandertipp am Lusen

Hier zwei möchten wir euch zwei Wandermöglichkeiten vorstellen: Einmal über den Winterweg hinauf zum Lusen, wobei man kurz unterhalb des Gipfels nach rechts abzweigt und dem Weg „Grünes Dreieck“ folgt. Ein anderer schöner Weg (Insgesamt ca. 12 Kilometer Wanderstrecke bei einem mittleren Schwierigkeitsgrad) führt vom Parkplatz Sagwassersäge aus am Sagwasser entlang mäßig ansteigend über die Sagwasserklause hinauf zum Weg „Grünes Dreieck“. Auf diesem geht es dann in Richtung Tummelplatz durch einen grandiosen dichten jungen Wald, der wunderschön anzusehen ist. Der Wanderweg ist teilweise so schmal, dass man hintereinander laufen muss. Die zahllosen jungen Fichten des Bergwaldes haben in den Jahren eine stattliche Größe erreicht. Es gelang uns nicht, Stellen wiederzufinden, die wir im Jahr 2005 gefilmt haben, um aktuelle Vergleichsaufnahmen zu machen.

Der Tummelplatz ist eine alte Hochweide

Der Weg durch den neuen wilden Wald bis hin zum Tummelplatz ist ein einziger Genuss. Der Tummelplatz ist übrigens eine alte Hochweide. Die große Holzhütte dort ist nicht bewirtschaftet. Ganz in der Nähe liegt übrigens der Aussichtspunkt Großalmeyerschloß. Nach einer Brotzeit kann man sich wieder auf den Heimweg machen. Dazu geht man auf dem Weg „Grünes Dreieck“ einige hundert Meter zurück, bis zum Weg „Arnika“. Diesem Weg bergab folgen und nach cirka drei Kilometern erreicht man am Parkplatz Sagwassersäge wieder den Ausgangspunkt der Wanderung.

Linumer Teichland in Brandenburg

Mit dem Linumer Teichland möchten wir euch nochmals eine wunderbare Naturregion kurz vor den Toren Berlins vorstellen. Das Linumer Teichland liegt zwischen Kremmen und Fehrbellin beim Storchendorf Linum. Nicht nur Störche kann man dort beobachten, sondern vor allem in der herbstlichen Vogelzugzeit tausende von Kranichen.

Die neugotische Linumer Dorfkirche
Die neugotische Linumer Dorfkirche

Wenn man von Berlin kommt, fährt man mit dem Auto auf der A24 in Richtung Hamburg und verläßt diese dann hinter dem Dreieck Havelland über die Ausfahrt Kremmen. Dann geht es weiter über Nebenstraßen bis nach Linum. In Linum gibt es das Informationszentrum „Storchenschmiede“. Es ist ein wichtiger Anlaufpunkt für Besucher, denn dort erhält man alle wichtigen Infos über das Linumer Teichland. Eine kleine Ausstellung ist ebenfalls zu sehen. Geführte Vogelbeobachtungen werden vor allem zur Kranichzugzeit im Herbst angeboten. Und die sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen. Denn der abendliche Einflug der Kraniche zu den Schlafplätzen ist ein unvergessliches Naturerlebnis für Naturfreunde. Linum gilt seit Jahren als der größte Binnenrastplatz für Kraniche und Gänse in Europa.

Auffällig ist in Linum auch die kleine neugotische Kirche von 1867/68. Sie enthält große Teile eines gotischen Vorgängerbaus aus Feldsteinen. Dieser reichte seit Mitte des 19. Jahrhunderts nicht mehr für die Durchführung von Gottesdiensten aus, da die Zahl der Bewohner Linums durch den Abbau von Torf, der als Heizmaterial für die Berliner diente, stark gewachsen war. Dach und Giebel der Kirche dienen heute als Storchenquartier. 

Linumer Teichland. Der Amtmannkanal
Linumer Teichland. Der Amtmannkanal

Tipps für das Linumer Teichland

Linum ist mit dem Wohnmobil oder dem PKW bequem zu erreichen. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln allerdings nur sehr schwer. Soweit uns bekannt ist, gibt es in Linum keine Stellplatzmöglichkeit für Wohnmobile mehr. Den nächsten Womo-Platz haben wir in Fehrbellin gefunden. Leider hat das Fischrestaurant an den Teichen dauerhaft geschlossen und auch das „Kleine Haus“, ein kleines Cafe mit ein paar Speisen ist nicht mehr geöffnet. Selbstversorgung ist also angesagt. In der Nauener Straße in Linum gibt es das Restaurant „Storchenklause“.

Zur Kranichzeit von Oktober bis Anfang November kann es im Ort besonders an den Wochenenden richtig voll werden.

Naturbeobachtungen im Linumer Teichland
Naturbeobachtungen im Linumer Teichland

Mit einem Spreewaldkahn kann man von den Fischteichen aus einen Bootsausflug auf dem Rhin unternehmen. Durch die Fischteiche mit einer Fläche von 240 Hektar führt teilweise ein Fussweg, der zu allen Jahreszeiten seine Reize hat. Infos hier

Weblinks:

Storchenschmiede Linum,  Linumer Teiche