Besuch im Ahrtal

Wir sind sehr betroffen, als wir bei unserer Ankunft im Ahrtal mit eigenen Augen das Ausmaß der Zerstörung sehen, wie es sich ein Jahr und vier Monate nach der verheerenden Katastrophe im Juli 2021 zeigt. Die schrecklichen Bilder der Flutkatastrophe in den Medien sind immer präsent. Wir hatten im Vorfeld unserer Reise den Tourismusverband Ahrtal um Rat gefragt, ob wir ins Ahrtal reisen könnten. „Natürlich“ war die Antwort, denn das Ahrtal lebt vom Tourismus und vom Wein.

Das Ahrtal ist überwiegend Rotwein-Anbaugebiet
Das Ahrtal ist Rotwein-Anbaugebiet

Auf der Website (https://www.ahrtal.de/fuer-dich-da#) kann man übrigens nachschauen, welche Restaurants, Beherbergungsbetriebe oder Campingeinrichtungen wieder geöffnet haben. Es sind nicht sehr viele, aber es wird langsam. Viele Gebäude in den Ortschaften müssen sogar immer noch abgerissen werden, andere sind schon kernsaniert. Immer noch verkaufen viele Geschäftsleute ihre Produkte in provisorischen Läden oder an Ständen. So zum Beispiel die Fleischerei Damian in Mayschoß. Die Fleischerei wird im Jahr 2024 einhundert Jahre alt. Das Haus in dem der Laden war, musste abgerissen werden. 

Auch die Bäckerei von Wido Ockenfels fiel der Flut zum Opfer. Er konnte Ende 2021 wieder einen kleinen Laden als Provisorium eröffnen. „Wir haben sehr viel Hilfe bekommen“ sagt er. „Die Politik hat uns sehr viel geholfen, es braucht aber auch Eigeninitiative, man darf nicht warten, bis jemand kommt und einem hilft“. 

Ahrtal Wido Ockenfels
Wido Ockenfels in seiner Bäckerei

Sein „Brotvisorium“ ist jeden Tag geöffnet, auch an Wochenenden und Feiertagen. Im Angebot sind Brötchen, Brot, Torten und andere Dinge wie Marmeladen und etwas Gemüse aus der Region. Sein alter Laden wird wieder aufgebaut, das dauert aber noch. Als Wido Ockenfels mir seine Bäckerei zeigt, betont er, wie froh er ist, dass seine Backöfen auf Ölbasis laufen. 

Die Ahrtalbahn wird instandgesetzt 

 Auch die Strecke der Ahrtalbahn ist schwer zerstört, ab Walporzheim geht nichts mehr. Aber an der Wiederherstellung der Strecke wird gearbeitet. Zu viele Brücken sind aber immer noch zerstört. Wann die Bahn wieder die ganze Strecke befahren kann, ist ungewiss. Ersatzweise übernehmen zur Zeit Busse den Nahverkehr. Straßenlaternen funktionieren noch nicht, dafür stehen große Scheinwerfer im gewissen Abständen um etwas Licht zu geben. 

Weinstöcke im Ahrtal bei Mayschoß
Weinstöcke im Ahrtal bei Mayschoß

Wunderschönes Ahrtal

Was geblieben ist? Die wildromantische Schönheit der Landschaft, die einen unvergesslichen Eindruck beim Besucher hinterlässt. Man kann viele Wanderwege durchs Ahrtal wieder begehen, wunderschöne Ausblicke genießen und den Menschen des Tales helfen, in dem man einkauft, in Restaurants einkehrt und Geschäfte unterstützt. 

 Die Menschen sind traumatisiert, nach offiziellen Angaben haben sich sechs Menschen im Zusammenhang mit der Flut das Leben genommen. Es macht einen immer noch sprachlos, diese gigantische Flutkatastrophe zu verstehen. Man kann die Menschen im Ahrtal dafür bewundern, dass sie die Kraft aufbringen, unter diesen immer noch so schwierigen Bedingungen zu leben und einen Neuanfang in Angriff zu nehmen. Die Welle der Solidarität war und ist sehr groß, das betonen alle, mit denen wir bei unserem Aufenthalt gesprochen haben. Es gibt tausende Einzelschicksale. Viele Betroffene stecken im zermürbenden Kampf mit Behörden und Versicherungen. 

Wo kann man mit dem Wohnmobil stehen?

Wir haben mit unserem Wohnmobil auf dem großen Stellplatz in Mayschoß gestanden. Ausser einem Dixieklo gibt es dort aber keinen Service. Fragt am besten auf dem Campingplatz in Mayschoß, ob ihr dort gegen eine Gebühr entsorgen könnt und Wasser aufnehmen könnt. Bei uns war das möglich.

Am Bahnhof steht ein Automat, wo man verschiedene Weinsorten, Fleischprodukte oder Fertigessen kaufen kann. Gleich gegenüber dem Stellplatz kann man die Winzergenossenschaft besuchen und Wein einkaufen. An den Wochenenden ist auch etwas Restaurantbetrieb. 

Bitte unterstützt bei eurem Aufenthalt auch die anderen eventuell geöffneten Geschäfte wie die im Text erwähnte Bäckerei und den Fleischer in Mayschoss und natürlich auch Unternehmen in allen anderen Orten im Ahrtal. 

 

Ahrtal Tipps:

Sehr gut Essen kann man im Restaurant Assenmacher (Brückenstraße 12,
53505 Altenahr) Altenahr . Wir empfehlen euch darüber hinaus den Besuch des Weingutes Oliver Schell in Rech (Rotweinstraße 33, 53506 Rech. Website) Natürlich gibt es im Ahrtal auch andere gute Winzer, wir konnten aber leider nicht alle besuchen. 

Werben, die kleinste Hansestadt

Wir sind auf dem Weg nach Werben, zur kleinsten Hansestadt der Welt. Die kurze Fahrt von Havelberg, der ersten von drei Hansestädten die wir euch vorstellen, führt uns über Nebenstraßen in Richtung Elbe. Dort überqueren wir den Fluss mit einer Gierseilfähre. Diese Fähren nutzen zur Fortbewegung nur die Strömung des Flusses. Die eindrucksvolle Technik ist in der Mitte des 17. Jahrhunderts vom Holländer Hendrik Heuck entwickelt worden. Unser Wohnmobil war, wenn auch nur kurz, zum ersten Mal mit dem Schiff unterwegs.

Sehr schön ist die Annäherung an Werben auf dem Elberadweg, wenn man als erstes die Türme der St. Johanniskirche und des Elbtores in der Flusslandschaft wahrnimmt. Bei einem ersten Rundgang durch Werben sind wir schnell vom dem besonderen Flair der kleinen Stadt eingefangen. Die Altstadt Werbens ist ein Flächendenkmal. Es fällt auf, dass viele alte Häuser restauriert sind, viele aber auch noch in einem nicht so guten Zustand sind. Um das Stadtbild behutsam zu pflegen und zu entwickeln, haben sich im Jahr 2004 engagierte Menschen, denen Werben am Herzen liegt, zum Arbeitskreis Werbener Altstadt zusammengefunden. Der Arbeitskreis wirbt für die Stadt Werben und für Interessenten, die vielleicht eines der alten Häuser kaufen möchten. Zu den zahlreichen Aktivitäten des Arbeitskreises gehören auch Feste wie das sommerliche Biedermeierfest und der Biedermeier Christmarkt.

Werben – etwas Geschichte

1358 wurde Werben Mitglied der Hanse. In dieser Blütezeit entstand das heute noch erhaltene Elbtor. Es wurde 1464-1470 erbaut und ist das einzig erhaltene von fünf Stadttoren.

Das alte Schulhaus gegenüber der Kirche wurde liebevoll restauriert und beherbergt unter anderem seit 2019 das Café Lämpel. Seit dem Frühjahr 2022 hat die Potsdamer Gastronomin Steffi Wübbenhorst das Café gepachtet. Sie bietet leckere Kuchen und kleinere Gerichte an. Das kleine Café ist ein guter Ort für Begegnungen.

Im Café Lämpel in Werben gibt es leckere Torten
Im Café Lämpel in Werben gibt es leckere Torten

Seit vielen vielen Jahren geht die Zahl der Einwohner Werbens zurück. Heute sind es noch knapp eintausend. Für Geschäfte ist es deshalb schwierig, sich zu halten. Es gibt noch einen Frisör, einen Blumenladen, einen Fleischer und einen NP Markt sowie eine Automatentankstelle.

Der Campingplatz

Der Campingplatz von Werben liegt ca. 1,7 Kilometer außerhalb der Stadt direkt neben einem Schwimmbad. Eine Übernachtung kostet 22 Euro für 2 Personen/Wohnmobil /Strom. Wenn man den Platz aufsuchen möchte, unbedingt vorher anrufen. Denn der Platz ist nicht groß. Die Betriebszeiten entsprechen den Ferienzeiten in Sachsen-Anhalt. Gerade eröffnet wurde ein neues Sanitärgebäude, also alles schick. Den Weg in die Stadt kann man bequem mit dem Fahrrad zurücklegen. Im Winter ist der Campingplatz leider geschlossen. Das ist schade, denn der Werbener  Biedermeier Christmarkt soll sehr schön sein.

Adresse: Am Schwimmbad 2, 39615 Werben

Kontakt: campingamelberadweg@gmail.com    Tel.: 0163 4368387

Webtipps

Website der Hansestadt Werben

Arbeitskreis Werbener Altstadt

Altmark und Werben